RestartThinking Blog: Das Märchen von der Wirtschaftlichkeit fossiler Energie

Märchenstunde: Die Wirtschaftlichkeit fossiler Energie

Die Schäden der Klimakrise sind sichtbar und spürbar. Im Nahen Osten ist keine Lösung in Sicht und daher rücken wieder mal neoliberale Lobbyvereine aus um das Märchen von den angeblichen Wirtschaftlichkeit der fossilen Energien zu erzählen. Doch diese Geschichten gehören ins Reich der Fabelwesen. Da sind pinke Einhörner 🦄 wahrscheinlicher. Bevor jetzt wieder einige Fossilisten Schappatmnung bekommen, werfen wir einen Blick auf die Fakten, denn die Physik verhandelt nicht:

Fossile Energieträger sind weder sicher noch stabil

Wie viele Energiekrisen können Sie aufzählen? Ich komme auf die Schnelle auf fünf Ereignisse, davon zwei mit massiven Auswirkungen nur in den letzten vier Jahren:

  • 🔥 Ölpreisschock in den 1970iger
  • 🔥 Irak-Krieg in den 1990igern
  • 🔥 Ölkrise 2008
  • 🔥 russische Invasion in die Ukraine 2022 und
  • 🔥 Iran-Krieg 2026.

Die Kostenanstiege allein seit 2022 haben massiv zur Verteuerung (Inflation) beigetragen und Privatleute und Unternehmen hart getroffen. Die Diskussionen um die Gasmangellage sind vielleicht schon vergessen, aber in Hinblick auf die Entwicklungen im Nahen Osten, sollten sich gasbeziehende Unternehmen in diesem Herbst Gedanken machen. Auf jeden Fall wird es wieder teurer, denn ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.

Dazu kommen noch weitere Kosten, beispielsweise wenn die Kosten des Gasnetzes auf weniger Benutzer:innen umgelegt werden. Dazu haben wir bereits den Artikel „Kostenfalle fossile Energie“ im RestartThinking Blog veröffentlicht.

Fossile Energieträgen haben keine Kostenwahrheit

Jede Pommesbude muss für die Entsorgung des Altöls bezahlen. Bei CO2 Emissionen ist das nicht der Fall, sie werden seit Jahrzehnten emittiert und für die Schäden kommen andere auf. Kurz gesagt: Die Gewinne werden privatisiert und die Schäden sozialisiert – also auf Sie und mich ausgelagert.

Ja, es gibt den EU-ETS (European Emission Trading Scheme), ein Handelssystem für Emissionsverschmutzungsrechte. Das umfasst seit über 20 Jahren große Anlagen zB der Energie- oder Stahlerzeugung und deckt etwa 40 % der europäischen Emissionen ab. Aber im EU ETS werden viele Zertifikate seit Jahren kostenlos ausgegeben. Eine entsprechende Änderung soll jetzt aufgrund von Druck fossiler Lobbyisten verhindert oder verzögert werden.(1)

Zudem waren der Verkehrs- und Wärmesektor, die noch immer hauptsächlich von fossilen Energieträgern abhängig sind, von dieser Regelung ausgenommen. Der dafür vorgesehene EU ETS II wurde auf 2028 verschoben. Und selbst wenn, werden die Emissionszertifkate mit niedrigen Preisen (derzeit etwa 80 Euro/Tonne CO2) gehandelt, denn die Kosten durch die Klimaschäden werden dadurch nicht annähernd gedeckt.

Kosten durch Klimaschäden steigen

Dass fossile Energieträger den menschgemachten Klimawandel verursachen, sollten wir an dieser Stelle hoffentlich nicht diskutieren müssen. Was jedoch lange Zeit negiert wurde, sind die steigenden Klimaschäden, die durch diese Erderhitzung (in Folge der Nutzung – vor allem der Förderung und Verbrennung – von fossilen Energieträgern) entstehen.

Der Rückversicherer MunichRE(2) schreibt dazu folgendes:

Naturkatastrophen zerstören weltweit jedes Jahr Werte in dreistelliger Milliardenhöhe. Seit 1980 summieren sich die Schäden auf 7,4 Billionen US$ (inflationsbereinigt) – das entspricht etwa dem zweifachen Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2024 von Großbritannien, der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas.  Rund ein Drittel dieser Schäden war versichert. Das bedeutet, dass viele der betroffenen Menschen und Unternehmen die Last der Schäden selber tragen mussten.

Zu diesen 7,4 Billionen Dollar zählen auch beispielsweise Erdbeben Ereignisse, wie das 2011 in Japan, aber der Versicherer sagt klar: „Schwergewitter, Hochwasser und Waldbrände sorgen für steigende Schäden„. Diese Ereignisse hat es früher auch gegeben, aber durch die menschgemachte Klimaveränderung werden die Auswirkungen häufiger und schwerwiegender.

Das konnte man dieses Jahr in Europa eindrucksvoll sehen: Das noch nie dagewesene Auftreten von Bränden hat viele Länder in Atem gehalten. In Österreich belaufen sich die Schäden durch die Dürre auf über eine Milliarde Euro. Das entspricht nahezu der Schadensumme der letzten zehn Gesamtjahre zusammen. Die Hagelversicherung bezeichnet die Schäden als „katastrophal“ und ruft zum Handeln auf, da die Lebensmittelversorgung gefährdet ist (3).

Die Kosten durch Treibhausgasemissionen

Das deutsche Umweltbundesamt rechnet mit Schäden pro Tonne CO2 von 1000 Euro (4). Das ist noch konservativ angesetzt, den Forscher:innen von u.a. dem University College London kamen schon 2021 zur Erkenntnis, dass Schäden mit 3.000 Dollar pro Tonne zu beziffern seien, da vor allem die sozialen Auswirkungen der Klimaschäden in früheren Berechnungen nicht berücksichtigt wurden (5). Mehr dazu haben wir im RestartThinking Blogbeitrag „Finanzielle Verantwortung der Fossilndustrie“ geschrieben. 

Ein Beispiel: Die OMV

Um es konkret zu machen, widmen wir uns einem aktuellen Beispiel. Am 31.07.2026 hat der österreichische Energiekonzern OMV sein „starkes“ operatives Finanzergebnis im zweiten Quartal 2026 von 1,706 Milliarden Euro bekannt gegeben (6). Die Gründe dafür waren zB höhere Preise durch den Iran-Krieg.

Oder im Konzernsprech:

Ausschlaggebend waren vor allem positive Markteffekte, die den infolge des Nahostkonflikts verursachten Rückgang der Verkaufsmengen mehr als kompensierten.

Anders gesagt: Wir verkaufen weniger, aber dafür zu höheren Preisen.

Indirekte Emissionen werden von Ihnen subventioniert

Der österreichische Staat ist Anteilseigner an der OMV. Das bedeutet, wir alle sind zwar an den Gewinnen beteiligt, aber die Schäden trägt der Staat (also wir alle) zum überwiegenden Teil und das ist ein Minusgeschäft.

Die OMV hatte im Jahr 2025 (7) einen Gesamtenergieverbrauch bei Erdgas von 36.905.484 MWh (36,9 TWh). Die durchschnittlichen CO2 Emissionen für diesen Energieträger liegen bei 200,8 g CO2/kWh PE (Primärenergie) (= 0,2 Tonnen / MWh) (8). Damit entsteht nur im Gassektor ein Emissionsaufkommen von 7.381.097 Tonnen CO2 (rund 7,4 Megatonnen).

Im Bereich Erdöl und sonstige fossile Energieträger schlagen nochmals 6,366 TWh mit einem durchschnittlichen Emissionsfaktor von 250 g CO2/kWh PE zu Buche (8). Umgerechnet entspricht das weiteren 1,591 Megatonnen CO2.

Bei durchschnittlichen Schäden von 1.000 Euro pro Tonne CO2 erhielt das Unternehmen somit indirekte Subventionen in Höhe von knapp 9 Milliarden Euro (8,972 Mrd. Euro).

Rechnet man die Folgekosten um dieses CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entnehmen und setzt einen sehr geringen Preis von 500 Euro die Tonne CO2 für CCS an, steigt die Summe nochmals um 4,5 Milliarden Euro.

Und das nur für das Geschäftsjahr 2025.

Das Märchen der Wirtschaftlichkeit fossiler Energie

Wer bei fossilen Energieträgern von Wirtschaftlichkeit spricht, hat entweder den Zusammenhang nicht verstanden oder negiert die Verantwortung und maximiert Gewinne auf Lasten der Gesellschaft. Eines ist längst klar:

🔥 Fossile Energieträger sind weder sicher noch stabil.

🔥 Fossile Energieträgen haben keine Kostenwahrheit.

🔥 Fossile Energieträger verursachen steigende Klimaschäden und beeinträchtigen unsere Gesundheit, Sicherheit und Wirtschaft.

Vertreter:innen und Profiteur:innen fossiler Energie reiten gerade aus um dies alles zu Leugnen. Vor kurzem verstieg sich Georg Knill, der Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung dazu, Menschen, die in Physik und Mathe nicht gepennt haben, als „Klimafreaks“ zu bezeichnen. 

Lieber Herr Knill, wenn das Anerkennen physikalischer Evidenz und wissenschaflichen Konsens mich zum Klimafreak macht, dann bitte gerne! Ich velinke am Schluss auch noch ein Video von Physiker und Transformationsexperten Mario Buchinger zu diesem Thema.

Die Lösungen sind längst da

Statt weiterhin im wahrsten Sinne die Schäden zu „befeuern“ gibt es längst Alternativen: Erneuerbare Energien müssen nicht durch die Straße von Hormus, sind regional, demokratisch und wirtschaftlich. Aber sie bedrohen das Geschäftsmodell der Öl- und Gasindustrie.

Achten Sie mal in der nächsten Diskussion zu dem Thema darauf darauf. Sobald jemand etwas zu Lösungen rund um Klimatransformation, erneuerbarer Energie, Umweltschutz oder Biodiversität schreibt, rücken sie schon wieder aus: Die Lobbyisten des fröhlichen Verbrennens.

Christian Stöcker, Psycholge und Autor, hat es in seinem Buch „Männer, die die Welt verbrennen“ sehr treffend beschrieben. Dort finden Sie die Gewinne der fossilen Branchen detailliert aufgelistet anhand von Zahlen des IWFs.

Beispielsweise macht die Öl- und Gasbranche seit den 1970iger Jahren jeden Tag 3 Milliarden Dollar (!) Gewinn – pro Tag. Das bezahlen wir jetzt mit Wasserknappheit, Bränden, unterbrochenen Lieferketten, gesundheitlichen Schäden bis hin zu Hitzetoten. Klingt hart, ist es auch.

Wie gehen Sie privat oder im Unternehmen mit der Klimatransformation voran? Zeigen Sie Ihr Engagement und teilen Sie den Beitrag, denn es gibt bereits so viele Ideen und Lösungen. Sprechen Sie darüber und zeigen Sie Ihr Engagement!

#RestartThinking
Veränderung. Denken. Können.

Herzliche Grüße
Marlene Buchinger

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Weitere Informationen

Quellen:

Blog_MarleneBuchinge

Die Autorin:

Marlene Buchinger, MSc.

Expertin für Klimatransformation und Nachhaltigkeit, Projektentwicklerin und Problemlöserin

Wir von RestartThinking sind spezialisiert auf Strategie-, Prozess- und Klimatransformation. Mit mehr als 15 Jahren internationaler Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energie und Projektmanagement stehe ich Ihnen als Sparringpartnerin zur Verfügung und entwickle zukunftsfähige, effiziente und effektive Prozesse.