RestartThinking Blog: Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Praxis

VSME Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Praxis

In einem Nachhaltigkeitsbericht steckt viel Arbeit und Wissen. Was macht man damit? Was bringt der ganze Aufwand überhaupt? Das RestartThinking Institut zeigt anhand seiner eigenen Nachhaltigkeitsberichterstattung die Vorgehensweise. Erfahren Sie warum der VSME sinnvoll ist und Wettbewerbsvorteile bringt. 

Es ist vollbracht!

Der Moment, wenn alles fertig, geprüft, gelayoutet und hochgeladen ist, ist befreiend. Tage an Arbeit und das geballte Wissen der Organisation stecken in dem PDF. Es zeigt die nächsten Schritte auf dem Weg zur Strategieumsetzung um Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren.

Der Weg zum Nachhaltigkeitsbericht

Bevor man mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung beginnt, gilt es folgende Punkte zu klären:

  • Was ist das Ziel? Warum machen wir das überhaupt? Und für wen? Für Kund:innen, für bessere Finanzierungskonditionen, positives Image bei Mitarbeitenden und Bewerber:innen?
  • Nach welchem Standard berichten wir? Wie funktioniert der Standard? Was brauchen wir alles dazu?
  • Wer kümmert sich darum? Neben dem Benennen eine:r Verantwortlichen und des Projektteams braucht es auch entsprechende Ressourcen – in Form von Zeit und evtl. Geld für Weiterbildung, ggf. externe Unterstützung und ein passendes ESG-Programm um die Daten strukturiert zu erfassen.
  • Um eines kommt man in keinem Fall herum: Die Treibhausgasbilanz – zumindest in Scope 1 und 2 – ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Scope 3 (Emissionen der vor- und nachgelagerten Emissionen) werden auch für KMUs immer mehr zum Standard.

Was ist der wichtigste Standard für Nachhaltigkeitsberichterstattung bei KMUs?

Der EU ESRS (European Sustainability Reporting Standard) war in den letzten Jahren groß im Gespräch, er bringt Einheitlichkeit im europäischen Markt. Gut, über die Vorgehensweise der EU Kommission kann man streiten. Die Sinnhaftigkeit zuerst einen sehr umfangreichen Standard vorzugeben, dann die meisten berichtspflichtigen Unternehmen wieder rauszunehmen und den Standard stark zu vereinfachen („simplified ESRS“) ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. In Österreich sind jetzt etwa 100-150 große Unternehmen zum ESRS verpflichtet.  

Die EU Kommission hat daher für die verbleibenden Unternehmen klar den VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for Small and Medium Enterprises) empfohlen. Hier wird sich in den nächsten Monaten auch noch das eine oder andere tun, aber im Großen und Ganzen ist der VSME (später wohl VS) fertig.

Über die Inhalte des EU VSME Berichts haben wir schon im RestartThinking Blog mehrmals geschrieben. 

Welche weiteren Berichtsstandards gibt es für KMUs?

Das RestartThinking Institut ist zudem nach dem UN Global Compact berichtspflichtig. Die Organisation bietet zum sogenannten Communication of Progress (COP) umfangreiche Hilfsstellungen an und nach dem ersten Jahr ist die Berichterstattung recht einfach durchzuführen.

Zudem erfassen wir unsere Nachhaltigkeitsdaten (vor allem aus dem VSME) im OeKB Datahub. Das ESG-Portal der österreichischen Kontrollbank entstand aus der Idee, ESG Informationen für Banken einheitlich zu erfassen und auf Knopfdruck an verschiedene Banken teilen zu können.

Je nach Land oder Branche kann es noch zusätzliche Portale oder Institutionen geben, nach denen berichtet werden kann. Lange Zeit war beispielsweise der DNK (Deutscher Nachhaltigkeits Kodex) bei KMUs recht beliebt. Dort gibt es mittlerweile auch einen VSME-Abschnitt um die Daten standardisiert berichten zu können.

Ecovadis kommt v.a. bei Lieferketten von Produktionsunternehmen zum Einsatz. Ecovadis hat die abgefragten Datenpunkte an den ESRS und VSME angeglichen, was ein genereller Trend bei den verschiedenen Berichtssystemen und sinnvoll für alle Beteiligten ist.

Tipps zur jährlichen Nachhaltigkeitsberichterstattung

Im ersten Jahr ist die Berichterstattung aufwändig, da die Daten erstmals identifiziert, zusammengetragen und Lücken identifiziert werden müssen. Auch wenn ich mich wiederhole, dokumentieren Sie den Prozess, Datenlücken bzw. Unsicherheiten und die nächsten Schritte. Bei Aufgaben, die nur einmal im Jahr gemacht werden, ist die Dokumentation für die nächste Runde wirklich hilfreich.

Die Erfassung in einem Tool bringt Vorteile. Wir nutzen u.a das ESG-Cockpit des österreichischen Anbieters Akayron, welcher seit 20 Jahren zu dem Thema aktiv ist. Dort können beispielsweise die Vorjahreszeiträume inkl. Quellenangabe dupliziert, Daten über Schnittstellen oder Excel hochgeladen und Berichte individuell konfiguriert werden.

Es ist auch hilfreich Berichtsvorlagen im Firmenlayout zu erstellen und diese dann nur mit den aktuellen Daten anpassen zu müssen anstatt jährlich neue Designs zu erstellen.

Überlegen Sie auch Ihre Erfolgsgeschichten. Was ist dem Unternehmen in dem jeweiligen Berichtsjahr besonders gut gelungen? Welche schönen Projekte und Verbesserungen gab es im Bereich Nachhaltigkeit? Der Nachhaltigkeitsbericht ist nicht nur reine Berichterstattung, sondern soll von Menschen gelesen werden.

Bei uns war 2025 die Erweiterung unserer Gebäudetechnik mit einer Kühlanlage ein Fortschritt. Die Anlage speichert Wärme aus dem Gebäude im Sommer im Boden für den Winter. Das System hat sich im Sommer 2026 bereits oft bewährt und sorgt für angenehmes Arbeitsklima. Zudem sind wir stolz auf die „Natur im Garten“ Zertifizierung, die vom Land Tirol verliehen wurde. Unser Standort erfüllt die Zertifizierungskriterien und dient als Trittstein für verschiedene Insekten. Damit wird die lokale Biodiversität gefördert.

Die Zielgruppen und Kanäle der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Vom Druck des Berichtes sehen wir aus Gründen der Ressourceneffizienz ab. Stattdessen stellen wir auf unserer Webseite eine Kurzfassung und eine Langfassung des VSME zur Verfügung. Die Kurzfassung wird auch für die Social Media Kommunikation verwendet. Zudem verschicken wir einen Newsletter zu dem Thema.

In den Rechnungen an unsere Kunden gibt es einen eigenen Nachhaltigkeitsabschnitt, wo die Treibhausgasemissionen der jeweiligen Reisen berechnet sind. Hier wird zukünftig der Bericht verlinkt.

Daten, die in den Bericht einfließen und die eine Kernkompetenz des RestartThinking Instituts sind, wie die Energieinformationen und Treibhausgasemissionen, werden in separaten Formaten unterjährig aufbereitet und auch auf Social Media kommuniziert.

Der Communication on Progress des UN Global Compacts ist auf deren Webseite abrufbar und die Informationen im OeKB Datahub werden Banken im Falle von Finanzierungsanfragen zugänglich gemacht.

Wie Sie sehen, der Kommunikation des Nachhaltigkeitsberichtes sind keine Grenzen gesetzt. Es geht darum die Information den wichtigsten Stakeholder-Gruppen zugänglich zu machen.

Warum ist ein freiwilliger Nachhaltigkeitsbericht sinnvoll?

Nach wie vor ist die freiwillige Berichterstattung bei KMUs ein Differenzierungsmerkmal. Das Unternehmen kann die Außenwirkung stärken, wenn die Inhalte vollständig und transparent dargestellt sind.

Als Zulieferunternehmen für größere Unternehmen hat man als KMU oft keine Wahl. Wir wissen von Kund:innen und aus eigener Erfahrung, dass hier die Anforderungen in den letzten Jahren verschärft wurden. Daher hat die EU Kommission auch den VSME Standard festgesetzt, um ein einheitliches Format zu etablieren und den Wildwuchs an Berichtssystemen zu reduzieren.

Bei öffentlichen Ausschreibungen kommen Nachhaltigkeitskriterien immer mehr zum Einsatz, dort werden besonders soziale Kriterien abgefragt.

Banken und Versicherungen sind aufgrund von Sustainable Finance Vorgaben selbst angehalten die Nachhaltigkeit von Finanzierungs- und Versicherungsprojekten zu beachten. Unternehmen oder Projekte, die klare Nachhaltigkeitskennzahlen und -strategien haben, profitieren von besseren Konditionen.

Nachhaltigkeit versus Bürokratie

Besonders seit 2025 wird in der medialen und politischen Diskussion Nachhaltigkeit als Bürokratie geframt, was einen radikalen Kurswechsel der EU-Kommission im Rahmen der sogenannten Omnibus-Pakete zur Folge hatte.

Mit dem VSME ist man nun einen recht einfachen und niederschwelligen Weg gegangen, der für alle KMU praktikabel ist. Achtung: Der Weg ist hier noch nicht zu Ende. Es werden derzeit noch Änderungen am VSME abgestimmt, der damit zur VS (Voluntary Standard) wird. Dazu werden wir im RestartThinking Blog berichten.

Mario Buchinger hat die Diskussionen und Hintergründe zum Thema Nachhaltigkeit versus Bürokratie in diesem Kurzvideo zusammengefasst:

Nachhaltigkeit ist strategische Unternehmensentwicklung

Wir stehen dazu. Ohne Nachhaltigkeit ist keine zukunftsfähige Wirtschaft möglich. Wir sehen die nächste Hitzewelle auf uns zu rollen, Europa brennt, Wasser wird knapp und fossile Energie löst ständig Kriege aus. All das sind Themen, die einen Bezug zur Nachhaltigkeit haben.

Dazu kommen soziale Aspekte, wie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Kundenorientierung und gute Unternehmensführung (Governance). Es bedeutet auch sich mit Veränderungen auseinander zu setzen, denn die Auswirkungen durch die Klimakrise oder zunehmende Elektrifizierung sind keine Glaubensrichtung, sondern Fakt und Unternehmenslenker:innen müssen sich damit auseinandersetzen.

Kurzum, Nachhaltigkeit ist strategische Unternehmensentwicklung.

Was meinen Sie? Wo hilft die die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Ihrem Unternehmen? Wenn Sie Fragen zu Ihrem VSME Nachhaltigkeitsbericht haben, schicken Sie uns eine Nachricht und wir treffen uns zum kostenfreien Onlinegespräch mit Ihnen.

#RestartThinking
Veränderung. Denken. Können.

Herzliche Grüße
Marlene Buchinger

Blog_MarleneBuchinge

Die Autorin:

Marlene Buchinger, MSc.

Expertin für Klimatransformation und Nachhaltigkeit, Projektentwicklerin und Problemlöserin

Wir von RestartThinking sind spezialisiert auf Strategie-, Prozess- und Klimatransformation. Mit mehr als 15 Jahren internationaler Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energie und Projektmanagement stehe ich Ihnen als Sparringpartnerin zur Verfügung und entwickle nachhaltige und effiziente Prozesse.