
Warum VSME für KMUs unverzichtbar wird
Der VSME, der Nachhaltigkeitsberichtstandard für KMUs, ist derzeit in aller Munde und wird immer wichtiger. Erfahren Sie, was genau im VSME steckt und wie Unternehmen davon profitieren.
Die Vorgaben der EU Nachhaltigkeitsrichtlinien (vgl. CSRD) gleichen einer Operation am offenen Herzen. Die vielen Anpassungen und Änderungen sind nichts für schwache Nerven. Nachdem die EU Kommission unter dem Label der „Entbürokratisierung“ einen Vorschlag zur Lockerung der Vorgaben für berichtspflichtige Unternehmen im Februar 2025 gemacht hat, warten betroffene Unternehmen nach wie vor auf Klarheit.
Denn zwischenzeitlich wurden weitere Änderungen angedacht, beispielsweise soll die Grenze der Berichtspflicht noch weiter nach oben gesetzt werden: Voraussichtlich sollen zukünftig nur mehr Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitenden und einem jährlichen Nettoumsatz von 450 Millionen Euro gemäß der CSRD über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten berichten müssen. Hierzu wird bis Ende des Jahres endgültig Klarheit herrschen.
Als der Veränderungsreigen eingeläutet wurde, versuchte die EU Kommission den Spagat und betonte gleichzeitig, dass Unternehmen hinsichtlich deren Nachhaltigkeitsaktivitäten im Umwelt- und Sozialbereich sowie bei der ordnungsgemäßen Unternehmensführung aussagekräftig sein müssen. Denn diesbezügliche Fragen von Banken und großen Kunden werden nicht verschwinden.
In diesem Zuge wurde der VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for Small and Medium Enterprises) als Alternative empfohlen. Die Geschichte des VSME ist ähnlich der des großen Berichtsstandards ESRS: Ein ursprünglicher Entwurf der EU Organisation EFRAG war wesentlich ambitionierter als die im Dezember 2024 veröffentlichte Version.
Und auch hier ist die Reise nicht zu Ende: Im Sommer 2025 hat die EU Kommission Hilfsmittel, wie verschiedensprachige Übersetzungen und Ergänzungen zum EFRAG Vorschlag veröffentlicht, die doch einige Handwerksfehler enthielten. Teilweise stimmen nun Referenzen oder Begriffe nicht mehr überein.
Wenn Sie daher jetzt mit ihrem Bericht beginnen, nennen Sie immer die Standardversion mit der Sie arbeiten. Unser Unternehmen hat bereits Anfang Juli 2025 einen VSME Bericht veröffentlicht, da war „VSME Digital Template“ für standardisierte Berichterstattung noch nicht verfügbar.
Der Berichtsstandard beinhaltet zwei Module: „Basic“ und „Comprehensive“, zu Deutsch „Basis“ und „Umfassend“. Die Module bauen auf einander auf, daher ist mit dem Basic-Modul zu beginnen. Das Basic-Modul eignet sich für Micro-Unternehmen, die wenig Erfahrung und wenig Ressourcen haben, dennoch aber ihre Nachhaltigkeitsambitionen zeigen und eine strukturierte Berichterstattung erstellen wollen. Das aufbauende Comprehensive-Modul richtet sich an größere KMUs und soll auf die Erwartungen von Kund:innen, Investoren oder Geschäftspartnern eingehen.
Der Bericht besteht aus zwei Hauptmodulen, die die Bereiche Allgemeines, Umwelt, Soziales und Governance umfassen :
Die Offenlegung kann um unternehmens- oder branchenspezifische Daten erweitert werden.
Anders als die große Berichtsschwester „ESRS“ ist keine doppelte Wesentlichkeitsanalyse nötig, in der bestimmt wird, welche Nachhaltigkeitsthemen auf das Unternehmen wirken bzw. durch das Unternehmen entstehen. Nichtsdestotrotz kann es zu Beginn nicht schaden bei der Datenerhebung zu prüfen, ob schon wichtige Nachhaltigkeitsthemen bekannt sind. Das können beispielsweise Themen, wie gleiche Bezahlung für Männer und Frauen, Arbeitszeiten, Arbeitssicherheit, der Ausstoß von Treibhausgasemissionen oder gefährliche Stoffe, sein.
Grundsätzlich hat sich ein schrittweises Vorgehen bewährt:
Die digitale Nachhaltigkeitsberichterstattung wird durch das VSME Digital Template und die XBRL Taxonomy standardisiert. Das sind Excel-Dateien, in denen die Daten erfasst werden können. Es gibt auch IT-Anbieter, wie das österreichische ESG Cockpit, wo die VSME-Daten erfasst und gleichzeitig die Treibhausgas-Bilanz berechnet und Maßnahmen verwaltet werden können. Wir arbeiten mit diesem Anbieter und anderen zusammen um immer die passenden Lösungen für unsere Kund:innen zu bieten.
Viele KMU unterschätzen den strategischen Wert einer strukturierten Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ein solcher Bericht zeigt Verbesserungspotentiale auf und ist wesentlich mehr als reine Compliance.
Die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen sollten fester Bestand der Unternehmensstrategie sein und entsprechende Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen, Produktentwicklung und Lieferketten haben.
Dazu braucht es auch klare Ziele um die Verbesserung voranzutreiben und den Erfolg zu messen. Beispielsweise können das Reduktionsziele für Emissionen oder Verbesserungen im Bereich der Mitarbeiter:innenqualifikation sein.
Wenn Sie das Projekt der Nachhaltigkeitsberichterstattung starten, ist es hilfreich frühzeitig intern zu kommunizieren und die Mitarbeitenden aktiv einzubinden. Das erhöht die Motivation und Verständnis für ESG-Themen und kann helfen Widerstände zu vermeiden. Im Laufe des Projekts sollten regelmäßig Fortschritte transparent kommuniziert werden. Vergessen Sie nicht den Erfolg zu feiern, wenn der Bericht fertig ist.
In der Außenkommunikation stellt der VSME-Bericht eine wichtige Maßnahmen dar, denn neben den reinen Daten können auch besondere Leistungen und Aktivitäten im Bereich der Nachhaltigkeit hervorgehoben werden. Der Bericht dient als Nachweis, dass das Unternehmen zukunftsgerichtet handelt. Sie können den Bericht in Ihrem Layout gestalten, übersichtliche Diagramme und Grafiken nutzen und am Ende nochmals alle Tabellen hinzufügen.
Die strukturierte Berichterstattung nach VSME ermöglicht es KMU, ihre Abläufe zu analysieren und zu optimieren, was zu stabileren, effizienteren Prozessen und Kostensenkungen führen kann.
Die strategische Ausrichtung mit Blick über den Tellerrand stärkt die Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Die systematische Erfassung von Nachhaltigkeitsdaten führt zu einem besseren Risikomanagement, indem ökologische und soziale Risiken frühzeitig erkannt und gemindert werden.
Zudem schafftet die VSME-Expertise einen strategischen Vorteil, da sich KMU frühzeitig auf eine mögliche Verpflichtung des Standards beispielsweise durch Investoren oder Großkunden einstellen können.
Der VSME-Bericht dient als einheitliche Kommunikationsgrundlage, die das Vertrauen aller wichtigen Anspruchsgruppen festigt und damit den Zugang zu Kapital verbessern kann.
Die transparenten und vergleichbaren Informationen nach VSME ermöglichen es dem Unternehmen, sich bei Ausschreibungen besser zu positionieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Dies ist besonders relevant, da größere, CSRD-pflichtige Unternehmen zunehmend Nachhaltigkeitsdaten von ihren KMU-Zulieferern verlangen.
Das Wichtigste zum VSME-Nachhaltigkeitsberichtstandard:
Bei uns gilt immer „nicht reden sondern gleich machen“. Daher haben wir bereits im Juli 2025 einen Nachhaltigkeitsbericht nach VSME (Version 12/2024) veröffentlich. Damals gab es noch keine standardisierten Vorlagen und da wir zur gleichen Zeit die Berichterstattung für den UN Global Compact fertiggestellt haben, sind wir beim Reportformat des ESG Cockpits geblieben. Das Ergebnis war ein Bericht im Frage- und Antwortformat mit Tabellen und Grafiken. Die Berichtspflicht ist definitiv erfüllt, aber für die Außenkommunikation ist diese Version weniger gut geeignet.
Daher haben wir nach unserem Firmenrebranding im Herbst 2025 die Ergebnisse im neuen Layout besser grafisch aufgearbeitet und eine kompakte Version erstellt:
Auch hier ist unser Weg noch nicht zu Ende. Inzwischen sind seitens der EFRAG eine Vielzahl an Materialien hinzugekommen. Wir werden in den nächsten Monaten prüfen, wie wir diese für unsere Berichterstattung nutzen können und vor allem auch, wie die Berichte von anderen Unternehmen aussehen. Wahrscheinlich werden wir auf einen zweiteiligen Bericht gehen – vorne grafisch, hinten alles auf einen Blick in Tabellenform. Wir werden darüber berichten.
Wenn Sie Fragen zu Ihrem ersten Nachhaltigkeitsbericht nach VSME haben, schicken Sie uns eine Nachricht. Wir unterstützen Sie dabei gerne.
#RestartThinking
Veränderung. Denken. Können.
Herzliche Grüße
Marlene Buchinger
Die Autorin:
Marlene Buchinger, MSc.
Expertin für Klimatransformation und Nachhaltigkeit, Projektentwicklerin und Problemlöserin
Wir von RestartThinking sind spezialisiert auf Strategie-, Prozess- und Klimatransformation. Mit mehr als 15 Jahren internationaler Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energie und Projektmanagement stehe ich Ihnen als Sparringpartnerin zur Verfügung und entwickle nachhaltige und effiziente Prozesse.