
Energiemanagement in Unternehmen ist die Basis für Einsparungsmaßnahmen, doch viele Unternehmen kennen die Potentiale nicht. Erfahren Sie im #RestartThinking Blog, wie Sie Kosten sparen und die Energieeffizienz steigern können.
Können Sie ad hoc sagen, wie hoch Ihr ungefährer Energieverbrauch im Bereich Strom, Wärme und Mobilität ist? Und wie lange beschäftigen Sie sich mit Ihrer Stromrechnung und dem Thema Energie im Jahr? Wenn Sie nicht zu der eingeschworenen Gemeinschaft der Energieenthusiast:innen gehören, werden es wahrscheinlich nur einige Minuten pro Jahr sein.
In Unternehmen ist das häufig auch nicht anders. Ich erlebe in meiner Arbeit bei der Analyse von Energieinformationen, dem Entwickeln von Energiestrategien und der praktischen Umsetzung von Energieprojekten häufig, dass es eine Querschnittsthematik ist und sich nur wenige wirklich dafür berufen fühlen. Obwohl darin großes Potential liegt. Es ist meist der Einkauf involviert, Instandhaltung oder Facility Management für Gebäude, Fuhrparkverantwortliche, eventuell auch Prozessverantwortliche. Dann kommt der „TEAM-Ansatz“ – „Toll ein anderer machts“ und die Probleme werden wieder nicht gelöst. Wie kann man also vorgehen um auch bei kleineren Unternehmen (KMUs) Energiemanagementsystem (EMS) aufzubauen und davon zu profitieren?
Im ersten Schritt geht es darum eine:n Verantwortliche:n festzulegen. Gut ist, wenn diese Person ein gewisses Prozessverständnis mitbringt und gute Kontakte im Unternehmen hat. Das notwendige fachliche Know-How kommt dann im Tun und kann über Webinare, Ausbildungen oder Recherche bei Interessensverbänden erworben werden.
Dann geht es darum zu prüfen, ob man von rechtlichen Rahmenbedingungen betroffen ist. Beispielsweise können das die nationalen Energieeffizienzrichtlinien sein. In Österreich sind nur Großunternehmen betroffen. In Deutschland sind Unternehmen mit einem Gesamtenergieverbrauch von mehr als 7,5 GWh p.a. in drei aufeinanderfolgenden Jahren verpflichtet ein Energiemanagementsystem aufzubauen.
Anschließend kommen wir zum Betrachtungsbereich, den Systemgrenzen. In kleinen Unternehmen mit einzelnen Standorten ist das einfach. Wenn Sie Flächen mieten oder Prozesse auslagern, muss zu Beginn geklärt werden, wie der Unternehmenseinfluss darauf ist und welche Energiearten und -verwendungen berücksichtigt werden. Dokumentieren Sie die Annahmen und vor allem Ausnahmen.
Bevor Sie mit der Erfassung der Energiedaten beginnen, überlegen Sie was der Betrachtungszeitraum ist. Dieser ist meistens analog zum Kalenderjahr, bei einem abweichenden Bilanzzeitraum ist dieser anzusetzen. Anschließend legen Sie ein Referenzjahr fest für dieses werden die Daten erhoben. Wenn Sie auch Daten aus vorherigen Jahren finden, erfassen Sie diese auch um erste Trends und Veränderungen erkennen zu können.
An dieser Stelle geht es ans Eingemachte. Keine Sorge, gehen Sie einfach schrittweise vor indem Sie
Auch wenn die Dokumentation der Vorgehensweise über die Datenquellen, Verantwortliche, Datenqualität und Einflussgrößen nicht beliebt ist, lohnt sich die Arbeit. Denn ein Jahr später oder bei wechselnden Verantwortlichen ist man mit der passenden Dokumentation wesentlich schneller.
Ein Energiemanagement in Unternehmen umfasst zu allen Energiearten die jeweiligen Verbräuche (Mengen) sowie Kosten im jeweiligen Betrachtungszeitraum. Sie finden Sie Daten in den Rechnungen von Versorgungsunternehmen, über Zählerablesungen (manuell / elektronisch) oder die Auswertung von Füllständen zu bestimmten Zeiten, beispielsweise am Monatsletzten. Wenn die Daten nicht in dieser Qualität vorhanden sind, können Sie sich mit Modellrechnungen über Betriebszustände und Leistungskennlinien behelfen.
Aus den nun vorhandenen Daten werden nun die wesentlichen Energieeinsätze (SEU = significant energy use) identifiziert. Das sind die Energieanwendungen, die entweder einen wesentlichen Anteil am Energieverbrauch haben und/oder wo das größte Potential zur Verbesserung der „energiebezogenen Leistung“ liegt. Die Begriffe stammen aus der zugehörigen Norm ISO 50001. Die Verbesserung der „energiebezogenen Leistung“ bezieht sich auf den Verbrauch oder die Effizienz (Verhältnis zw. Energieeinsatz und Leistung) oder den Energieeinsatz selbst.
Als nächsten Schritt ermitteln Sie die Einflussfaktoren der wesentlichen Energieverbräuche. Dabei ist zwischen statischen Faktoren und variablen Faktoren zu unterscheiden. Statische Faktoren ändern sich nicht, das sind beispielsweise die Fläche (m2) eines Gebäudes oder der Dämmstandard. Variable Faktoren sind die Heiztage oder die Auslastung der Produktion.
Für den späteren Vergleich, ob umgesetzten Maßnahmen wirksam sind und eine Verbesserung der energiebezogenen Leistung bringen, ist es notwendig, die variablen Faktoren rauszurechnen und die Energieverbräuche zu normalisieren.
An dieser Stelle bzw. auch bereits vorher bei der Prozessaufnahme und Datenerhebung sollten erste Problempunkte identifiziert werden. Sammeln Sie alle Ideen in einer Liste, die Bewertung der Lösungen erfolgt an späterer Stelle.
Energiemanagement in Unternehmen – Next Level
Die bereits gesammelten Daten helfen dann bei der Erstellung der Treibhausgasbilanz, denn die Energiearten und -mengen können mithilfe von Emissionsfaktoren umgerechnet werden.
Durch die Veränderung im Energiesystem wird zunehmend nicht nur die Energiemenge (kWh/MWh) sondern auch die Zeit der Abnahme oder Einspeisung und die Leistung (kW/MW) wichtiger. Prüfen Sie daher den Lastgang (= 15-Minuten Intervalle des Leistungsbezugs einer Anlage oder eines Standorts) sowie die Jahreslastkurve, Wochen- und Tagesverläufe. Die Daten bekommen Sie über Smartmeter oder entsprechende Messsysteme. Denn bereits jetzt und zukünftig noch mehr werden Lastspitzen (= Maximaler Leistungsbezug oder Einspeisung zu bestimmten Zeiten) zum Kostentreiber.
Falls vorhanden, werten Sie auch die Daten der eigenen Energieproduktion hinsichtlich folgender Paramenter aus:
‣ Mengen
‣ Produktionsprofile (jährlich / wöchentlich / täglich)
‣ Eigenverbrauch
An dieser Stelle werden die bereits identifizierten Schwachstellen der SEUs herangezogen und entsprechende Ideen evaluiert und priorisiert. Die Kriterien zur Priorisierung sind zu dokumentieren.
Die Priorisierung der Verbesserungsprojekte hängt beispielsweise von der Energiestrategie ab (zB Kostenminimierung, Preisstabilität, Dekarbonisierung). Ich bezeichne das immer als Energie-Sudoku, damit jedes Unternehmen seine eigene Lösung findet.
Anschließend brauchen Sie Kenngrößen zur Erfolgsmessung. Diese sollten auf den normalisierten Energieverbräuchen (Stichwort: Energetische Ausgangsbasis), also nur auf statischen Einflussgrößen beruhen. Die Verbesserung wird nach einem Jahr dazu bewertet.
Praxistipp: Integrieren Sie bereits früh die Belegschaft, denn die Menschen in den Prozessen kennen die Schwachstellen und haben häufig gute Ideen zur Besserung. Kommunizieren Sie die Notwendigkeit für Energiemanagement, die geplanten Maßnahmen, die Erkenntnisse daraus und die Erfolge regelmäßig.
Anhand der priorisierten Liste macht man sich an die schrittweise Verbesserung. Dazu werden Ressourcen in Form von Zeit, ggf. Investitionen und Wissen nötig sein. Doch eines zeigt sich sehr deutlich, die Veränderung rechnet sich. Beispielsweise kann durch einfache Marktrecherchen und den Wechsel von Energieanbietern bereits viel gespart werden. Größere Unternehmen haben eine bessere Verhandlungsposition oder Sie nutzen die Marktmacht von Einkaufsgesellschaften.
Die Maßnahmen sind so vielfältig, dass ich in Zukunft noch einige Blogbeiträge darüber schreiben werde. Eines ist aber jetzt schon sicher, der Fokus auf Eigenproduktion, Sektorkopplung (also die Energienutzung über verschiedene Anwendungen hinweg), Netzdienlichkeit und die Reduktion von Lastspitzen wird in den kommenden Jahren immer wichtiger.
Praxistipp: Erkundigen Sie sich bereits bevor Sie mit Ihrem Energiemanagemensystem loslegen auch über Förderungen.
Ein EMS wird am besten anhand der ISO 50004 aufgebaut und mit der ISO 50001 betrieben. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) klingt das nach einer unüberwindbaren Hürde – das muss nicht sein. Die Vorgehensweise kann einfach strukturiert umgesetzt und im Laufe der Zeit verbessert werden.
Der erstmalige Aufbau der strukturierten Datenerfassung ist Aufwand. Dieser lohnt sich aber bereits nach kurzer Zeit und geht mit folgenden Zusatznutzen einher:
Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Thema Energiemanagement? Wo lagen die Hürden?
Wenn Sie Anmerkungen oder Fragen zu Ihrem Energiemanagement haben, an Prozessanalysen und -optimierung interessiert sind oder Projektunterstützung bei der Umsetzung suchen, schicken Sie uns gerne eine Nachricht.
#RestartThinking
Veränderung. Denken. Können.
Herzliche Grüße
Marlene Buchinger
Die Autorin:
Marlene Buchinger, MSc.
Expertin für Klimatransformation und Nachhaltigkeit, Projektentwicklerin und Problemlöserin
Wir von RestartThinking sind spezialisiert auf Strategie-, Prozess- und Klimatransformation. Mit mehr als 15 Jahren internationaler Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energie und Projektmanagement stehe ich Ihnen als Sparringpartnerin zur Verfügung und entwickle nachhaltige und effiziente Prozesse.