
Im März wird weltweit der Frauentag gefeiert. Selbst für all jene, die nicht feiern, sind die hart erkämpften Fortschritte der letzten Jahrzehnte von Vorteil. Leider wird der wirtschaftliche Mehrwert von Gleichberechtigung und weiblicher Wertschöpfung häufig unterschätzt. Zudem geraten die bereits erreichten Fortschritte in Gefahr. Lesen Sie mehr dazu im #RestartThinking Blog und was das mit Nachhaltigkeit in Unternehmen zu tun hat.
Unser Unternehmen erstellt gerade wieder seinen Nachhaltigkeitsbericht und die Bereiche aus B8 und C5 aus dem freiwilligen EU-Nachhaltigkeitsberichtstandard VSME widmen sich sozialen Aspekten mit Bezug auf die Geschlechterverteilung. Die Nachhaltigkeitsberichte – egal ob GRI, ESRS, VSME oder UN Global Compact – schaffen Transparenz und sind ein Gradmesser für die Gleichberechtigung in Unternehmen.
Die in Österreich vorliegenden Zahlen sind keinen Grund zum Jubeln hinsichtlich der Gleichberechtigung. Denn es gab Anfang 2026 keine einzige weibliche Vorstandsvorsitzende in den an der Wiener Börse gelisteten Unternehmen. Von den insgesamt 188 Vorstandsmitglieder sind nur 26 weiblich, das entspricht 13,8 %. Wenigstens erhöhte sich die Zahl im Vergleich zu 2025 um 4 Vorständinnen. Die meisten Frauen verantworten operative oder finanzielle Bereiche.(1)
Wenn wir auf Aufsichtsratsebene schauen, liegt der Frauenanteil in den Unternehmen, die von der gesetzlichen Quotenregelung betroffen sind, bei 31,7 % und stagniert seit dem Erreichen der vorgeschriebenen Quote von 30 %. Daher soll mit 30.06.2026 der Frauenanteil auf 40 % erhöht werden.(1)
Die Lücke zwischen der Bezahlung von Frauen und Männern ist nach wie vor gegeben. In Österreich verdienten Frauen 2026 noch immer im Schnitt um 11,6 % weniger. Das bedeutet 42 Arbeitstage pro Jahr ohne Bezahlung oder jedes neunte Arbeitsjahr umsonst. (2) Wie wäre es, wenn sich die Männer solidarisch zeigen? Das könnten wir ja gemeinsam machen und jedes neunte Jahr ohne Bezahlung arbeiten… Auch hier helfen transparente Lohngestaltungen, um Nachvollziehbarkeit und Gerechtigkeit zu erzielen.
Für viele Jobs gab es noch nie eine Frau. In Österreich wurde einmal kurz eine Frau Bundeskanzlerin, weil Sebastian Kurz die Koalition mit der FPÖ um die Ohren geflogen ist. Österreich stand vor einem Scherbenhaufen und eine Frau musste einspringen.
Es gab auch noch keine Bundespräsidentin in Österreich oder Deutschland. Und in den USA stellen sich zwei Mal kompetente Frauen der Präsidentenwahl und gewählt wurde jedes Mal Donald Trump. Das Beispiel zeigt gut, dass es noch ein weiter Weg aus der Misogynie ist.
Misogynie (aus dem Griechischem für Frauen und Hass) ist der Oberbegriff für die sozialen Muster, bei denen Frauen angeblich geringeren Wert als Männer haben. (3)
Es macht keine besonders gute Laune, dass in vielen Ländern der Welt die mühsam erkämpften Schritte rückgängig gemacht oder das zumindest vorbereitet oder versucht wird.
In Russland wurde im Jahr 2026 eine neue Richtlinie erlassen, durch die Frauen bei Untersuchungen gefragt werden, wie viele Kinder sie auf die Welt bringen wollen. Wenn eine Frau angibt, keinen Kinderwunsch zu haben, soll sie weiter an einen Psychologen verwiesen werden. (4)
In Ungarn sollten Steuervorteile für Mehrkindfamilien die Rolle der Frau am Herd festigen, mit nur mäßigem Erfolg.
Und in Österreich stilisiert sich die FPÖ als Instanz für Moral und erklärt auf ihrer Webseite: „Die Lebensgemeinschaft von Mann und Frau wird durch das Kind zur Familie.“ Zudem fabulieren führende Mitglieder der FPÖ über die „angestammte Rolle des Mannes als Familienoberhaupt“.
Im Umkehrschluss bedeutet es, dass nicht in diese Denkweise passenden Familien diskriminiert werden. In den österreichischen Bundesländer, wo die FPÖ bereits mitregiert, wurden bereits entsprechende Regelungen erlassen, die beispielsweise Alleinerziehende – zumeist Frauen – finanziell hart treffen.
Gleichberechtigung hat auch immer etwas mit Demokratie zu tun und spätestens an dieser Stelle sollten auch alle Männer hellhörig werden. Denn autoritäre Pläne beinhalten immer die Kontrolle von Menschen. Und wie dazu konkrete Pläne aussehen, kann man im „Project 2025“ von der Heritage Foundation nachlesen.
Die Heritage Foundation ist ein konservativer Think Tank, mit namhaften Vertretern in der republikanischen Partei. Das „Project 2025“ ist ein umstrittener Plan zur radikalen Umgestaltung der amerikanischen Regierung, Verwaltung und Gesellschaft. (5)
Das klingt noch recht harmlos, ist es aber nicht, wie Ali Velshi von MS Now berichtet:
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Weitere InformationenEin Ziel der Heritage Foundation ist es Frauen den Zugang zu höherer Bildung zu erschweren und aus dem Erwerbsleben zurückzudrängen. Warum? Finanzielle Abhängigkeit durch niedrigere Bildung, geringes oder kein Einkommen, schafft Einfluss. Frauen sind dann in der Öffentlichkeit weniger sichtbar und besser kontrollierbar.
Die Idee kommt nicht von ungefähr. Denn viele Frauen, besonders mit Bildungshintergrund, wählen die demokratische Partei und setzen sich gegen die radikale, faschistische Far Right Bewegung ein. Ali Velshi bringt es gut auf den Punkt: “Women, who think, women, who choose are the problem for them.”
„Die Gleichstellung der Geschlechter ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung für weniger Armut, eine nachhaltigere Entwicklung und für Good Governance.“ Der Ausspruch stammt vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Und er hat Recht, wir wissen bereits aus verschiedenen Untersuchungen, dass diverse Teams bessere Entscheidungen treffen und langfristig erfolgreicher sind.
Die Europäische Investitionsbank (EIB) schreibt mit Bezug auf das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen: „In der EU würde mehr Geschlechtergerechtigkeit zu einem Anstieg des Pro-Kopf-BIP um 9,6 Prozent (oder 3,15 Billionen Euro) und zu 10,5 Millionen zusätzlichen Jobs bis 2050 beitragen.“ (6)
Wie können Unternehmen Gleichberechtigung in die Praxis umsetzen? Hier steht eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung.
Wir vom RestartThinking Institut haben die diesjährige Aktion des UN Global Compact Netzwerks Austria unterstützt.
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#RestartThinking
Veränderung. Denken. Können.
Herzliche Grüße
Marlene Buchinger
Quellen zum Thema Gleichberechtigung:
Die Autorin:
Marlene Buchinger, MSc.
Expertin für Klimatransformation und Nachhaltigkeit, Projektentwicklerin und Problemlöserin
Wir von RestartThinking sind spezialisiert auf Strategie-, Prozess- und Klimatransformation. Mit mehr als 15 Jahren internationaler Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energie und Projektmanagement stehe ich Ihnen als Sparringpartnerin zur Verfügung und entwickle nachhaltige und effiziente Prozesse.