RestartThinking Blog zu 10 Jahren Pariser Klimaabkommen

10 Jahre Pariser Klimaabkommen – Mut und Visionen

Was haben Sie im Dezember 2015 gemacht? Ich war nach Jahren im Ausland mit spannenden erneuerbaren Energieprojekten wieder zurück in Österreich. Der Aufbau des eigenen Unternehmens ging voran. Wir bestellten zu der Zeit unser erstes Elektroauto. Und eine politische Sensation fand statt: Am 12. Dezember 2015 einigte sich die Staatengemeinschaft auf das Pariser Klimaabkommen.

Die Kenntnis der menschgemachten Klimakrise ist spätestens seit den 1970iger Jahren längst wissenschaftlich belegt. Bevor Wissenschaftler erstmals 1988 vor dem amerikanischen Kongress dazu aussagten, wussten Konzerne, deren Geschäftsmodell auf fossilen Energieträgern beruht, Bescheid. Anstatt sich zu verändern wurde gezielt Desinformation gestreut.

Die Desinformation und Leugnung verzögert die notwendige Veränderung bis heute und reicht mittlerweile weit in die Politik und Gesellschaft hinein, obwohl die Auswirkungen durch die Klimakrise immer sichtbarer werden. Aber alles der Reihe nach…

10 Jahre Pariser Klimaabkommen

Im Jahr 2015 einigten sich 195 Staaten der Welt darauf, die Erderwärmung auf 1,5 Grad (=1,5 Grad Ziel) oder bestenfalls auf weit unter 2 Grad zu beschränken.

Ich frage mich häufig, ob die Zielformulierung so richtig war. Unter „1,5 Grad durchschnittliche weltweite Temperaturerwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Niveau“ können sich nur wenige Menschen konkret etwas vorstellen. Es bedeutet eine Zunahme der Energie in der Atmosphäre, die sich in häufigeren und schweren Auswirkungen bemerkbar macht und in natürliche Systeme wie z.B. den Wasserkreislauf und die Bodengesundheit eingreift. All diese Folgen haben massive Folgen auf uns Menschen, z.B. gesundheitliche Probleme durch höhere Temperaturen und längere Hitzeperioden, Probleme mit der Wasser- und Nahrungsmittelversorgung, Umweltgefahren, etc.

Wie könnte man die Zielsetzung im Pariser Klimaabkommen so formulieren, dass es auch Politiker:innen verstehen, damit sie die notwendigen Rahmenbedingungen – selbst gegen den Druck der fossilen Industrien – setzen? Ich habe keine eindeutige Antwort. Auf jeden Fall hat die Zielsetzung etwas mit gesundem Lebensraum, Sicherheit und Prosperität innerhalb der Planetaren Grenzen zu tun. Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass wir dauerhaft über die Grenzen der Natur und der Physik hinaus gut leben können.

Bedeutend war die Festlegung des Pariser Klimaabkommens mit dem reichere Staaten besondere Verantwortung gegenüber ärmeren Ländern haben – zumal die Bevölkerung der ärmeren Ländern viel schwerer und häufiger von Auswirkungen der Klimakrise betroffen ist. Es wurde außerdem beschlossen, dass sämtliche Länder alle 5 Jahre berichten, wie sie die Dekarbonisierung umsetzen und was der Grad der Umsetzung ist.

Was setzte das Pariser Klimaabkommen in Gang?

Es handelt sich zweifelsfrei um einen der größten diplomatischen Erfolge unserer näheren Geschichte.

  • Das Pariser Klimaabkommen war ein mutiges Zeichen. In den Jahren danach erhielt die Klimakrise tatsächlich mehr Aufmerksamkeit und Rahmenbedingungen für Veränderung wurden entschiedener als zuvor gesetzt.
  • Bewegungen, wie Fridays For Future, machten Klimaschutz als generationsübergreifendes Thema regelmäßig sichtbar.
  • Der EU Green Deal weckte Hoffnung und US-Präsident Joe Biden brachte mit IRA (Inflation Reduction Act) massive Förderungen für erneuerbare Energien auf den Weg, die einen Investitionsboom auslösten.
  • Gleichzeitig begann die Öl- und Gaslobby und Wirtschaftszweige, die vom Verbrennen fossiler Energieträger auf unser aller Kosten profieren, noch massiver in Desinformation und Lobbying zu investieren.

Was kam danach?

Scheinbar ist immer etwas dringender als die Klimakrise. Das ist falsch, vieles hat mit der Klimakrise zu tun, wir beachten die Zusammenhänge nur zu wenig.

Beispielsweise machen sich viele Menschen über die gestiegenen Preise Sorgen. Das hängt mit klimarelevanten Themen zusammen.

Durch die menschgemachte Erderhitzung werden Folgen in Gang gesetzt, die den Anbau, die Verarbeitung und die Lieferketten von Produkten beeinflussen. Dazu kann man beispielsweise Probleme mit dem Orangenanbau, der Kaffeeproduktion oder beim Kakao nennen.

Neben den Preisen sind auch geopolitische Spannungen untrennbar mit fossilen Energieträgern verknüpft: Als 2021 Russland bereits die Gasmengen nach Europa reduzierte oder spätestens nachdem im Februar 2022 der vollumfängliche russische Angriffskrieg auf die Ukraine begann, hätte man schon auf die Idee kommen können, dass die Abhängigkeit von Erdgas aus Russland keine gute Idee ist. Gut, eigentlich hätte man das schon 2014 mit dem Überfall auf die Krim wissen können.

Dass der russische Angriffskrieg auch etwas mit riesigen Erdgasreserven in der Ukraine zu tun hat, ist ein weiterer Aspekt, der gerne vergessen wird. Bei uns stiegen infolgedessen die Preise und da Energie überall enthalten ist, trieb das wiederum die Inflation. Da Österreich eines der EU-Länder mit der größten Russland-Abhängigkeit ist, waren wir zwischenzeitlich Inflationsmeister. Wenn wir fossile Energieträger mit erneuerbaren Energien ersetzen, reduzieren wir einerseits die Abhängigkeit von despotischen Staaten und andererseits auch den Ausstoß von Treibhausgasen.

Die Liste der Zusammenhänge zwischen heutigen Problemen und der Klimakrise bzw. dem Verbrennen von fossilen Energieträgern lässt sich schnell erweitern. Handeln wir endlich entschieden und lösen wir andere Probleme gleich mit.

Wo stehen wir heute 10 Jahre nach dem Abkommen von Paris?

Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres brachte es ihm Rahmen der WMO-Konferenz im Oktober 2025 gut auf den Punkt:

Jedes der letzten zehn Jahre war das heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Meereswärme bricht Rekorde und zerstört gleichzeitig Ökosysteme. Und kein Land ist vor Bränden, Überschwemmungen, Stürmen und Hitzewellen sicher„, sagte er bei einer Konferenz der Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen (WMO).

2024 wurde erstmals das 1,5 Grad Ziel gerissen. Und derzeit steuern wir auf etwa 2,8 Grad über dem vorindustriellen Niveau bis 2100 zu. Der aktuelle Emissions Gap Report 2025 trägt daher bezeichnenderweise den Titel „Off Target“.

Ich werde noch einen guten Teil dieser Zeit bis 2100 erleben und möchte nochmals Folgendes betonen:

Jedes Zehntelgrad zählt

Die Klimakrise ist wie eine Lawine, die in Zeitlupe auf uns zukommt. Anstatt sehenden Auges darauf zuzulaufen, sollten wir endlich die Möglichkeiten erkennen und die geeigneten Maßnahmen treffen, denn die Lösungen sind längst da.

Erneuerbare Energie ist wesentlich günstiger als Energie von fossilen Energieträger. Mehr Menschen arbeiten weltweit im Ausbau einer regenerativen Energieversorgung als in der Ausbeutung fossiler Ressourcen.

Die Klimatransformation bietet Chancen für Unternehmen. Sicherlich, ein paar wird die Veränderung treffen, aber das war schon immer so. Die Kutscher und Hufschmiede wurden auch durch die Autoindustrie verdrängt. Bestehende öffentliche Verkehrsnetze wurden von fossilen Akteuren aufgekauft und stillgelegt. Diese Unternehmen wehren sich jetzt gegen die längst überfällige Veränderung.

Zu gewinnen gibt es langfristige Prosperität durch regionale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen, mehr Preisstabilität und weniger Erpressbarkeit von despotischen Regimen. Für Unternehmen winken neue Entwicklungsmöglichkeiten und ebenso Preisstabilität und Kosteneffizienz.

Und auf der persönlichen Ebene entstehen Vorteile, wie gesundheitliche Verbesserungen, Sicherheit und das gute Gefühl, aktiv gehandelt anstatt sich vor den Veränderungen gefürchtet zu haben.

Das Aufschieben der notwendigen Rahmenbedingungen zur Veränderung erhöht die Kosten, die dann wiederum bei der Gesundheitsvorsorge, Bildung, Sicherheit oder Altenversorgung fehlen. Am Geld mangelt es nicht, es liegt an der schlechten Verteilung und dass alte Branchen und Technologien geschützt werden. Mit fahrlässigen und grob vorsätzlichen Konsequenzen für uns, unsere Kinder und Enkel.

Mutig voran

Die Staatengemeinschaft hat bei den notwendigen Maßnahmen schon einmal gezeigt, wie weltweit gemeinsam die Veränderung gelingen kann: Beim Verbot bestimmter Treibhausgase, die die Ozonschicht in der Atmosphäre schädigen, waren wir uns einig. Mittlerweile sehen wir, dass sich diese Bereiche in der Atmosphäre erholen.

Auch auf nationaler Ebene kann die Transformation gelingen, das zeigen Staaten wie Dänemark oder Großbritannien.

Die verantwortlichen Politiker:innen können sich auf einen großen Rückhalt in der Bevölkerung berufen. Weltweit sprechen sich 89 Prozent der Menschen für mehr Klimaschutz durch ihre Regierungen aus. Wir haben über das „Project 89 Percent“ und die Zustimmung für mehr Klimaschutz im RestartThinking Blog berichtet. Anstatt immer nur auf die zu hören, die laut genug für den eigenen Vorteil schreiben, sollte Politik für die Gesundheit und Sicherheit der Menschen vorangetrieben werden.

Fazit: 10 Jahre Pariser Klimaabkommen

Zum 10-jährigen Jubiläum bleibt noch zu sagen, dass das Pariser Klimaabkommen ein wichtiger Beitrag ist und war. Es liegt an uns dieses mit Leben zu füllen.

Was sind Ihre Gedanken zum Pariser Klimaabkommen? Schicken Sie uns gerne eine Nachricht, teilen Sie Ihre Ideen mit uns auf LinkedIn und vor allem erzählen Sie es anderen. 

#RestartThinking
Veränderung. Denken. Können.

Herzliche Grüße
Marlene Buchinger

Blog_MarleneBuchinge

Die Autorin:

Marlene Buchinger, MSc.

Expertin für Klimatransformation und Nachhaltigkeit, Projektentwicklerin und Problemlöserin

Wir von RestartThinking sind spezialisiert auf Strategie-, Prozess- und Klimatransformation. Mit mehr als 15 Jahren internationaler Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energie und Projektmanagement stehe ich Ihnen als Sparringpartnerin zur Verfügung und entwickle nachhaltige und effiziente Prozesse.